Hector Berlioz
Es war eine "infernalische Leidenschaft", die Hector Berlioz zur Komposition der Symphonie Fantastique trieb. Als Berlioz 1827 zum ersten Mal eine Aufführung eines Shakespeare-Dramas besucht, ist er überwältigt – von der dichterischen Kraft des englischen Dramatikers und von Harriet Smithson, die in der Rolle der Ophelia nicht nur Berlioz sondern ganz Paris bezaubert. Der junge, unbekannte Komponist verliebt sich haltlos in die irische Schauspielerin, die ihn keines Blickes würdigt.Verzweifelt und tief gekränkt macht sich Berlioz an die Komposition einer imposanten Symphonie, mit der er die Aufmerksamkeit seiner Angebeteten auf sich lenken will. Er bezeichnet sein Werk als "instrumentales Drama" und fügt ein Programm bei, in dem er seine eigenen phantastischen Gefühle schildert. Nicht ohne Grund gab Berlioz der Symphonie den Untertitel "Épisode de la vie d’un artiste" – Episode aus dem Leben eines Künstlers.
Symphonie Fantastique
Mit einer lieblichen, eindringlichen Melodie, der berühmten "idée fixe", die nach der langsamen Einleitung in Flöte und Geige erstmals erklingt, beschreibt er seine Gedanken an die Geliebte. In allen fünf Sätzen taucht die "idée fixe" thematisch nahezu unverändert auf. Durch die farbenreiche Instrumentierung und die unterschiedlichen Ausdrucksweisen zeigt sich der Gedanke aber jeweils in einem anderen Licht.Im ersten Satz erscheint die Geliebte dem Künstler in perfekter Schönheit und reißt ihn zu Sehnsuchtsgefühlen und leidenschaftlichen Ausbrüchen hin. In der tanzenden Menge eines festlichen Balls (Un Bal), versteckt "sie" sich und zeigt sich nur schemenhaft. Im dritten Satz, der Scène aux Champs, begleiten zwei Hirten auf ihren Schalmeien die Gedanken an die Geliebte, bevor sich die Sehnsucht in Verzweiflung kehrt und der Künstler sich mit Opium vergiftet.
Im fiebrigen Opiumrausch sieht sich der Künstler als Mörder seiner Geliebten und wird mit einem makabren Marsch zum Richtplatz geführt. Der Alptraum endet mit einem Hexensabbat ("Songe d’une Nuit de Sabbat"), bei dem der Künstler seinem eigenem Begräbnis beiwohnt. Auch die Geliebte erscheint, nun aber entstellt, gewollt hässlich.
Um diese phantastischen Gedanken in Musik zu fassen, erweitert Berlioz das herkömmliche Orchester zu einem riesigen Instrumentarium mit Glocken, Fernoboe und verstärktem Schlagwerk. Die Fülle an effektvollen Ideen verleiht der Musik gestalterische Kraft, die nahezu kinematographisch wirkt und die Ohren buchstäblich zu Augen werden lässt. Mit der Symphonie fantastique erreichte Berlioz übrigens sein Ziel: Er wurde als gefeierter Komponist Harriet Smithson vorgestellt, machte ihr einen Heiratsantrag, in den sie einwilligte – der glückliche Anfang einer unglücklichen Ehe.